Zwangsstörung

"Immer und immer wieder"

Schon wieder hat er es nur „kurz vor knapp“ zur Konferenz geschafft. Er fühlt sich gehetzt und noch nicht ganz bereit. Bis eben gerade war er noch auf der Toilette und hat sich seine Hände gewaschen. Die sind noch ganz warm und die Haut ist gereizt. Er ist genervt. Immer und immer wieder ist das so. Natürlich weiß er, dass er übertreibt, wenn er seine Hände wiederholt abspült und wäscht. Aber sicher ist sicher. „Ich will einfach nicht schuld sein, wenn jemand erkrankt. Gerade jetzt im Abitur wäre es schlimm, wenn die Kollegen oder sogar die Schülerinnen und Schüler sich ansteckten.“, rechtfertigt er sich vor sich selbst. Dass seine Sauberkeit mittlerweile überhandgenommen hat, mag er sich nur ungern eingestehen, aber es ist nicht zu übersehen. Seine Haut ist nicht nur an den Händen trocken und angegriffen, auch das Duschen dauert länger als bei den meisten anderen und ist für ihn mittlerweile sehr anstrengend. Seine Versuche, diese Waschrituale zu verkürzen oder wegzulassen, sind gescheitert. Ständig war er dann in Sorge um die Gesundheit der anderen und irgendwie total unsicher, unruhig und getrieben – ja ängstlich.  Das war noch anstrengender. Um die Situation zu Hause zu entschärfen hat er jetzt begonnen, die Einkäufe gleich rundherum abzuwischen. So muss er nicht jedes Mal, wenn er ein neues Produkt benutzt, die Hände waschen und desinfizieren, aber natürlich ist auch das erheblicher Mehraufwand, den er betreibt, um die Sorgen zu reduzieren.

Was könnte dahinter stecken?

Viele Menschen leiden unter Zwangsgedanken und -handlungen. Nicht immer sind es Waschhandlungen, die das Denken und Handeln bestimmen, manchemal müssen Betroffene bspw. Dinge ordnen, nachzählen, Bestätigungen einholen o. ä. Gemeinsam sind allen die Sorge oder die Angst davor, für ein Unglück verantwortlich zu sein. Die Zwangshandlungen stellen wiederholte Versuche dar, ein befürchtetes Unglück abzuwenden. Für die Bewältigung der Zwangssymptome und eine Genesung stehen wirksame psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Was bietet CARE an? 

Die Frage, ob "eine lästige Angewohnheit" oder "ein kleiner Tick" bereits eine Eigendynamik entwickelt und eine behandlungsbedürftige Erkankung entstanden ist, ist manchmal gar nicht so einfach zu entscheiden. Das Regionale Landesamt für Schule und Bildung bietet in den jeweiligen CARE Beratungsstellen psychosoziale Beratung für Landesbeschäftigte in Schulen und Studienseminaren an. In den Beratungen werden Entwicklungen und Beschwerden sowie Ressourcen reflektiert und geklärt, ob eine psychische Erkrankung vorliegt. Außerdem erhalten Sie Unterstützung bei der Suche nach weiteren Unterstützungsmöglichkeiten im präventiven Bereich, innerbehördlich oder auch einem ambulanten oder stationären Therapieplatz. Die Psychotherapeutinnen von CARE unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.

CARE berät bei Bedarf auch Schulleiter und Schulleiterinnen für den Umgang mit belasteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.