Logo zeigt ein stilisiertes Auge mit vier farbigen WimpernLogo zeigt ein stilisiertes Auge mit vier farbigen WimpernArbeitsschutz und Gesundheitsmanagement in Schulen und Studienseminaren

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Wie sicher ist sicher genug?

5. Häufige Ursachen für Schwierigkeiten in der Planung

5.1 Unklare Vorschriftenlage

Die notwendigen Voraussetzungen sind nicht immer in gesetzlicher oder behördlicher Form klar definiert. Solche Festlegungen fehlen oft für ausgefallene oder neuere Trendsportarten oder sind häufig für einzelne Bundesländer unterschiedlich sowie in vielen einzelnen Vorschriften geregelt.

Pflicht zum Ergreifen notwendiger Vorkehrungen

Existieren für einen speziellen Fall keine bindenden Vorschriften der zuständigen Behörden, so befreit dies jedoch nicht von der Pflicht zur Ergreifung evtl. notwendiger besonderer Vorkehrungen für Arbeits- und Gesundheitsschutz. Gerade hier sind die verantwortlichen Lehrkräfte gefordert sich umfassend auch anderweitig zu informieren. Die Dinge dürfen nicht dem Selbstlauf überlassen werden nach dem Motto: „Es wird schon gut gehen.“

Zusätzliche Anforderungen gegenüber Freizeit- und Vereinssport

Die z. B. für eine bestimmte Sportart allgemein geltenden Sicherheitsmaßnahmen sind in jedem Fall einzuhalten und können u. a. bei Sportverbänden, –vereinen (z. B. Deutscher Alpenverein beim Klettern) oder namhaften Veranstaltern erfragt werden. Für den Schulsport gelten aber oft zusätzliche Anforderungen zum Freizeit- oder Vereinssport. Sind hierfür im Bereich Niedersachsen keine Regelungen erlassen, kann auch der Blick in die Vorschriften eines anderen Bundeslandes wertvolle Hinweise geben. Auch die Niedersächsische Landesschulbehörde und die Gemeinde-Unfallversicherungsverbände sind bei der Suche nach Lösungen gern behilflich.

5.2 Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern

Werden außerschulische Partner (Reise- oder Showveranstalter, Sportvereine, Sportgeräteverleih, Besichtigung von Betrieben usw.) einbezogen, so entbindet dies ebenfalls nicht von der eigenen Hauptverantwortung der Lehrkräfte für die Sicherheit der Teilnehmer. Es sind u. a. detaillierte Absprachen zum Ablauf der Veranstaltung notwendig, sowie Regelungen, welche Schutzmaßnahmen von der Schule und welche von Dritten zu veranlassen sind.

Sicherheitsaspekt als Maßstab bei Angebotsvergleichen

Auch vor dem Hintergrund knapper Finanzmittel der Bildungseinrichtungen ist bei der Auftragsvergabe qualitativen und sicherheitstechnischen Aspekten von Angeboten mindestens ein gleich hoher Stellenwert wie dem Preisfaktor beizumessen.
Besonders bei kostenfrei (z. B. durch Eltern oder Sponsorfirmen) angebotenen Initiativen darf nicht nach dem häufig praktizierten Motto verfahren werden: „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.“ Nichts rächt sich im Falle eines mög-lichen Schadens später mehr, als das Eingeständnis, offensichtlich notwendige Sicherheitserwägungen aus rein monetären Gründen außer Acht gelassen zu haben.

Hilfreich bei der Einschätzung des Qualitätsniveaus eines Anbieters ist die Abfrage von Referenzen, Veranstaltungsregeln, Mitgliedschaft in Fachverbänden, Zertifizierungen u. ä. Ist die Veranstaltung angelaufen, so muss kontrolliert werden, ob die getroffenen Vereinbarungen durch den außerschulischen Partner auch eingehalten werden.

Wohl der Teilnehmer steht im Vordergrund

Es gilt noch einmal zu betonen, dass es aus Sicht der Unfallverhütung hierbei vordergründig nicht um eine rein rechtliche Absicherung der schulischen Verantwortungsträger geht, sondern dass am Ende der Veranstaltung alle Teilnehmer noch wohlauf sind.

Auch eine von allen beteiligten Seiten gut gemeinte Veranstaltung kann schief gehen. Ein Beispiel stellt hier der links geschilderte Motorradunfall dar.

Zur weiteren Erläuterung ist zu ergänzen, dass die Zuschauer sich unmittelbar am Fahr- und Sprungbereich der Motorräder befanden, die Abgrenzung erfolgte nur durch „Flatterband“. Wären im Vorfeld Absprachen zu notwendigen Sicherheitsvorkehrungen wie Absperrungen und ausreichendem Sicherheitsabstand getroffen worden, wäre der Unfall mit Sicherheit glimpflicher ausgegangen.

5.3 Objektivität und Planbarkeit der Einflussfaktoren

Einige Umstände, welche zum Gelingen einer Veranstaltung beitragen, unterliegen starken Schwankungen und sind daher schlecht vorhersehbar (Wetter, Verkehrsverhältnisse am Veranstaltungstag u. ä.). Sie bringen deshalb immer einen gewissen Rest an Planungsunsicherheit mit sich.
Mögliche negative Einflüsse (z. B. Glatteis, Stau, Straßensperrungen) müssen von vornherein in die Planung einbezogen werden, damit ihre Auswirkungen durch festgelegte Verhaltensregeln für Ausnahme- und Notfälle beherrschbar bleiben.

Persönliche Voraussetzungen ausreichend klären

Auch die persönlichen Vorraussetzungen von Teilnehmern und Begleitern werden vielfältig beeinflusst, z. B. durch

  • physische Leistungsfähigkeit (z. B. Adipöse),
  • geistige Reife
  • gesundheitliche Einschränkungen (z. B. Allergien, Diabetes, akute Erkrankungen)
  • Stimmung und „Tagesform“ der Teilnehmer und Begleiter
  • mögliche frühere Vorkommnisse
  • konkrete Gruppenzusammensetzung während der Veranstaltung
  • Kenntnis bzw. Unkenntnis des Verhaltens/der Dynamik in kritischen Situationen, möglichen Alkohohl- und Drogenkonsum u. a.

Sie sind daher nicht immer auf Anhieb einzuschätzen und bedürfen einer sorgfältigen Klärung im Vorfeld. So reicht im Sportbereich das alleinige Abfragen von geforderten „Scheinen“ (z. B. Freischwimmer) i. d. R. nicht aus, um die gesamte notwendige geistige und physische Leistungsfähigkeit von Teilnehmern zu ermitteln.

Bei nicht volljährigen Teilnehmern ist in jedem Fall die schriftliche Einwilligung der Erziehungsberechtigten einzuholen, um evtl. auch auf diesem Wege Informationen z. B. zu möglichen Bedenken zu erhalten.

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