Logo zeigt ein stilisiertes Auge mit vier farbigen WimpernLogo zeigt ein stilisiertes Auge mit vier farbigen WimpernArbeitsschutz und Gesundheitsmanagement in Schulen und Studienseminaren

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Wie sicher ist sicher genug?

4. Gefährdungsabschätzung

4.1 Grundsätzliche Überlegungen

Auch auf den ersten Blick recht harmlose Vorhaben können im Detail durchaus ernsthafte Risiken beherbergen. Damit Schulleiter und Lehrkräfte begründete Entscheidungen zur Durchführung einer besonderen Veranstaltung treffen können, ist nach Beantwortung der grundsätzlichen Frage nach dem „Warum“ eine anschließende Analyse (Gefährdungsabschätzung) erforderlich.

Überprüfung der Durchführbarkeit

Werden die folgenden Fragestellungen systematisch auf die beabsichtigte Veranstaltung angewandt, können die Durchführbarkeit und die dafür zu treffenden Maßnahmen anschaulicher gemacht werden.

Ergibt sich nach einer ersten Überprüfung zunächst eine negative Entscheidung, muss dies aber nicht unbedingt das „Aus“ für die geplante pädagogische Veranstaltung bedeuten. Die Analyseschritte können so lange erneut durchlaufen werden, bis durch Maßnahmen zur Gefährdungsverminderung (z. B. Verlegen der Veranstaltung in eine andere örtliche Umgebung, Teilnahme einer zusätzlichen Lehrkraft u. ä.) ein akzeptables Risiko erreicht ist. Damit liegen auch stichhaltige Argumente vor, um die Schulleiterin oder den Schulleiter von der Durchführbarkeit des Vorhabens zu überzeugen.

4.2 Ausgangssituation

Wie soll die Veranstaltung aussehen?

Hilfreich bei der Erfassung aller notwendigen Aspekte ist die Orientierung an so genannten „W-Fragen“. Bei der Betrachtung ist hierbei eine Unterscheidung in

  • materielle (Ort, Umfeld, Geräte und Technik, ...),
  • personelle (Lehrer, Begleitung, Schüler, ...) und
  • organisatorische (zeitl. Ablauf, Verhaltensregeln, ...)
  • Gesichtspunkte sinnvoll.

Wie stellt sich die Lehrkraft die Veranstaltung vor, z. B.:

  • Wann und
  • Wo soll die Veranstaltung stattfinden?
  • Wer soll teilnehmen, wer soll die Begleitung/Aufsicht übernehmen?
  • Welche Aktivitäten sollen stattfinden?
  • Womit (Ausrüstung) sollen die Aktivitäten stattfinden?
  • Wie soll sich der organisatorische Ablauf gestalten (Programm)?

4.3 Erkundung

Was muss bei der Durchführung beachtet werden?

Rahmenbedingungen abklären

Es gilt nun zu erkunden, welche Rahmenbedingungen für die geplante Veranstaltung zu schaffen sind, um ihr Gelingen besonders mit Hinblick auf die Vermeidung gesundheitlicher Beeinträchtigungen und Unfälle der Teilnehmer zu erreichen.

Informationen zur Gefährungsvermeidung berücksichtigen

Informationen hierzu können enthalten sein in:

  • Gesetzen und Verordnungen (Schulgesetz, Straßenverkehrsordnung, u. a. )
  • Erlassen der Landesregierung
  • Vorschriften des Unfallversicherungsträgers (GUV, LUK)
  • Regeln von Sportverbänden usw.

Beispiele für wichtige Fragestellungen:

  • Wann und
  • Wo darf die Veranstaltung stattfinden, d. h. welche Anforderungen muss die Veranstaltungsstätte (z. B. Schwimmbad oder Bundeswasserstraße) erfüllen?
  • Wer darf teilnehmen, wer darf die Begleitung/Aufsicht übernehmen, d. h. gibt es besondere Anforderungen an Teilnehmer und Begleiter (Alter, Gesundheit, Qualifikation, Anzahl)?
  • Welche Aktivitäten dürfen stattfinden, was ist nicht erlaubt?
  • Womit (Ausrüstung) dürfen die Aktivitäten stattfinden, d. h. welche Anforderungen müssen verwendete Geräte und Materialien erfüllen?
  • Wie muss sich der organisatorische Ablauf gestalten (z. B. Baderegeln, notwendige Einweisungen vor Beginn, Pausenregelung)?
  • Welche Vorkehrungen für Notfälle sind erforderlich, welche Sicherungsmaßnahmen sind notwendig (z. B. Erste-Hilfe-Tasche, Handy, Helm, Schwimmweste)?

4.4 Entscheidung
Kann unter den gegebenen Umständen und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln das Risiko akzeptabel gestaltet werden?

Überprüfung der tatsächlichen Voraussetzungen

In einem dritten Schritt der Gefährdungsabschätzung gilt es, Informationen zu den tatsächlich vorhandenen materiellen, personellen und organisatorischen Voraussetzungen einzuholen, das heißt:

  • Wann und
  • Wo kann die Veranstaltung stattfinden, besteht Ortskenntnis?
  • Wer kann/möchte teilnehmen, wer kann die Begleitung bzw. Aufsicht übernehmen?
  • Welche Aktivitäten können stattfinden?
  • Welche Ausrüstung kann genutzt werden?
  • Wie kann der organisatorische Ablauf gestaltet werden?
  • Welche Vorkehrungen für Notfälle und Sicherungsmaßnahmen können vorgehalten werden?

Nun ist ein Vergleich notwendig:
Sind damit alle notwendigen Voraussetzungen (siehe Punkt 4.3) erfüllt? Wenn nicht, welche zusätzlichen Maßnahmen für Arbeits und Gesundheitsschutz sind notwendig?

Entscheidung über die Durchführbarkeit der Veranstaltung

Damit fällt eine Entscheidung:

  • Kann und will ich die Veranstaltung unter diesen Gesichtspunkten noch durchführen, d.h.
  • ist das verbleibende Risiko akzeptabel zu gestalten und
  • wird die Veranstaltung dann noch so sein, dass die Ziele des Vorhabens (s. Punkt 4.2) erreicht werden?

Beispiele für Ausschlussfaktoren könnten sein:

  • Verbleibendes Restrisiko ist zu groß und nicht mehr zu verringern
  • zu hoher finanzieller oder personeller Aufwand wird notwendig
  • fehlende oder mangelhafte Ausrüstung
  • pädagogisches Ziel oder „Spaßfaktor“ geht zu sehr verloren
  • zu große organisatorische Unwägbarkeiten

Positive Entscheidung durch Veränderung der Ausgangslage

Wie bereits einleitend bemerkt, sollte bei einer negativen ersten Bilanz die Flinte nicht vorzeitig ins Korn geworfen werden. Mit einigen wenigen Veränderungen der Ausgangsbedingungen lässt sich danach oft eine positive Entscheidung fällen.

Ist die Entscheidung für eine Durchführung der Veranstaltung gefallen, ist ein Maßnahmenplan zur Umsetzung aufzustellen.

Planung schriftlich festhalten

Gefährdungsabschätzung und Maßnahmeplan sollten in schriftlicher Form festgehalten werden, dies schafft größere Planungs und Rechtssicherheit. Zur Unterstützung können die Schülerinnen und Schüler bereits bei der Vorbereitung aktiv beteiligt werden. Zusammen mit den Ergebnissen einer Auswertung nach Durchführung der Veranstaltung können die gesammelten Erfahrungen so in ein schulinternes Qualitätssystem einfließen.

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