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Sport - Gefährdungen im Fachunterricht - Turnen, Bewegungskünste

Das Turnen in der Schule ist nicht so unfallträchtig wie allgemein angenommen wird. Neuere Untersuchungen belegen, dass die relative Unfallhäufigkeit im Turnen geringer ist als beispielsweise bei den kleinen Spielen oder im Fußball. Trotzdem dokumentieren die jährlich registrierten Turnunfälle im Schulsport Handlungsbedarf.

Quelle: Bundesverband der Unfallkassen, September 2002 (Werte in %)

Könnten einige der folgenden Bilder auch in Ihrer Sporthalle gemacht worden sein? Wenn ja, besteht dringender Handlungsbedarf!

Schülerinnen und Schüler verletzen sich im Turnen am häufigsten bei Stützsprüngen und beim Bodenturnen.

Etwa ein Drittel der Turnunfälle ereignet sich beim Sprung über ein Gerät. Fast ebenso häufig sind Verletzungen beim Bodenturnen. Beim Turnen an den Großgeräten ist vor allem der Abgang unfallträchtig. Bemerkenswert ist auch die Unfallhäufigkeit im Zusammenhang mit Helfen und Sichern.

1. Stützsprünge

Landung nach Stützsprüngen

Die Landung nach einem Sprung über ein Gerät ist der Unfallschwerpunkt im Turnen. Die Schülerinnen und Schüler knicken um oder stürzen. Distorsionen und Prellungen, aber auch Frakturen sind die häufigsten Verletzungen bei diesen Unfällen.

Ursachen

  • ungeeignete Matten, z. B. Weichboden, oder schlechte Mattenauslage (Stolperstellen)
  • schwache und untrainierte Fuß- und Beinmuskulatur
  • fehlerhafter Bewegungsablauf (fehlerhafte erste Flugphase)
  • Stütz erfolgt nicht weit genug vorne, falsche Armhaltung in der Stützphase, kein Aufrichten des Oberkörpers nach der Stützphase, schiefer Absprung
  • fehlerhafte Landetechnik
  • unzureichende Bewegungshilfe
  • falscher Geräteaufbau, z. B. Kasten, Bock oder Pferd zu niedrig/zu nahe zum Sprungbrett
  • defekte Geräte, z. B. Steckmechanismen bei Längskästen

Stützphase

Eine weitere stark unfallbelastete Phase bei den Stützsprüngen ist der Stütz. Verletzungen der Finger- und Handgelenke sowie der Unterarmknochen sind die häufigsten Folgen.

Ursachen

  • zu lange Stützphase
  • unzureichende Körperspannung
  • unzureichende Armstützkraft
  • keine oder unzureichende Hilfestellung
  • falsche Hand- und Armhaltung

2. Abgang vom Gerät

Beim Abgang vom Gerät, vor allem vom Barren und Reck, verletzen sich die Schü-lerinnen und Schüler in der Regel bei der Landung oder sie bleiben am Gerät hängen und stürzen.

Ursachen

  • mangelhaftes Beherrschen der Bewegungsfertigkeit
  • unzureichende Armkraft
  • unzureichende Hilfestellung
  • zu spätes Lösen des Griffes (Angst, falsche Bewegungsvorstellung)
  • ungeeignete Matten, z. B. Weichboden statt Niedersprungmatten

3. Turnen am Gerät

Weniger häufig, aber nicht zu vernachläs-sigen sind Unfälle, überwiegend Stürze, die sich beim Turnen an den Geräten, vor allem am Reck und Barren, ereignen.

Ursachen

  • Ermüdung infolge unzureichender Kraft
  • Überschätzung des eigenen Leistungsvermögens
  • falscher Griff, insbesondere beim Reckturnen
  • Abrutschen wegen verschwitzter Hände
  • fehlerhafte oder fehlende Hilfestellung
  • unzureichende Vorbereitung auf die Übung

4. Bodenturnen

Verletzungen bei Rollbewegungen – selbst bei der einfachen Rolle vorwärts – und beim Handstand treten relativ häufig auf und sind keineswegs immer nur Bagatellunfälle. Im Gegensatz zu den anderen Unfallschwerpunkten sind vor allem Kopf und Nacken betroffen. Ein hohes Unfallrisiko haben Rollen mit ausgeprägter Flugphase, da sie hohe Anforderungen an das motorische Können der Schülerinnen und Schüler stellen. Zudem ist eine sichere Bewegungshilfe kaum möglich.

Ursachen

  • zu harte Unterlagen, z. B. fehlende Matten
  • falsche Handhaltung
  • fehlende Beweglichkeit im Hals- und Nackenbereich
  • fehlerhafte Bewegungsausführung, z. B. verzögerte Rollbewegung
  • unzureichende Armstützkraft
  • mangelhafte Körperspannung
  • nicht ausreichende Vorbereitung auf die Übung

5. Helfen und Sichern

Obwohl es zu den primären Aufgaben des Helfens und Sicherns gehört, Unfälle zu verhüten, verletzen sich erstaunlich häufig Schülerinnen und Schüler trotz oder bei der Hilfe- und Sicherheitsstellung.

Ursachen

  • mangelhaftes Beherrschen der Helferfertigkeiten
  • fehlende Konzentration der Helfenden
  • fehlende Kenntnis der Helfenden über den Bewegungsablauf und die Gefahrenstellen einer turnerischen Bewegung
  • unerwartete und unkoordinative Reaktion des Turnenden
  • fehlende konditionelle und koordinative Voraussetzungen des Helfenden
  • Angst des Helfenden vor Verletzungen

Ein großer Teil der jährlich gemeldeten Unfälle im Turnen könnte durch geeignete didaktisch-methodische und technisch-organisatorische Maßnahmen vermieden werden.

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